Treffen von VAMV-Landesvorsitzender Viola Schirneck mit dem Landtagsabgeordneten Thomas L.Kemmerich

erstellt von: Petra Beck

Rahmenbedingungen müssen sich verbessern

Treffen von VAMV-Landesvorsitzender Viola Schirneck mit dem Landtagsabgeordneten Thomas L.Kemmerich

Über die besondere Situation der Alleinerziehenden informierte sich der Landtagsabgeordnete Thomas L. Kemmerich (F.D.P.) bei einem Besuch in der Geschäftsstelle des Landesverbandes Alleinerziehende Mütter und Väter Thüringen e.V. (VAMV) in Gera.

Landesvorsitzende Viola Schirneck hatte gern die Anfrage des Landespolitikers aufgenommen, um nicht nur den Verband als Lobby von Einelternfamilien vorzustellen. Sie machte deutlich, mit welchen Schwierigkeiten die 82.000 alleinerziehende Mütter und 12.000 alleinerziehende Väter im Freistaat Thüringen ihren Alltag meistern müssen, da es noch viele Faktoren gibt, die ihnen das Leben zusätzlich schwer machen.

Die engagierte Landesvorsitzende, die auch als 2. Vorsitzende des Arbeitskreises Thüringer Familienorganisationen (AKF) und langjährige Vorsitzende vom Landesbeirat für Familie und Frauen, die Interessen der Alleinerziehenden als Familienform vehement vertritt, sieht sich durchaus konform mit Auffassungen des Landtagsabgeordneten zur aktuellen Situation.

Als wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion und als Vorsitzender des Gleichstellungsausschusses des Thüringer Landtages sieht er in beiden Funktionen durchaus Synergien: „Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht: Wir haben in Thüringen einen Fachkräftemangel! Deshalb ist es umso wichtiger, Mütter nach der Erziehungszeit und alleinerziehende Eltern im Arbeitsmarkt noch besser zu integrieren.“ „Dafür“, so ist Thomas L. Kemmerich überzeugt, „braucht es Wirtschaftsprogramme an dieser Stelle nicht“. Erstes Ziel muss eine Flexibilisierung und am Bedarf der arbeitenden Eltern ausgerichtete Struktur bestehender Betreuungsangebote sein.

Da sah er sich eins mit der VAMV-Landesvorsitzenden, die zwar das flächendeckende Angebot an Kinderbetreuung in Thüringen bestätigt. Aber weiß, dass es nach wie vor an einer bedarfsgerechten Betreuung mangelt. Die starren Öffnungszeiten der Kindereinrichtungen orientieren sich nicht an den tatsächlichen Erfordernissen, die insbesondere Mütter in Dienstleistungseinrichtungen haben. Ergänzende Kinderbetreuung, wenn sie überhaupt zur Verfügung steht, können sich aber diese Berufsgruppen aufgrund ihres geringen Einkommens nicht leisten.

Angesprochen wurde auch die Problematik unnötiger Finanzierung von Doppelstrukturen. Ziel müsse es sein, langjährige und leistungsfähige bestehende Strukturen des Freistaates zu stabilisieren und zu unterstützen. „Gelerntes und gelebtes Fachwissen“, so Viola Schirneck, muss zu allererst genutzt werden.“ Denn es kann nicht sein, dass neue Projekte schnell und wenig nachhaltig aus dem Boden gestampft werden, weil eine bestimmte Zielgruppe gerade mal in den Fokus der Aufmerksamkeit von Politik und Gesellschaft geraten ist.

Einig waren sich beide, dass über Konzepte für eine soziale und fortschrittliche Politik nachzudenken ist, die es Alleinerziehenden ermöglicht, ihr Leben mit Kind und Beruf nach ihren Bedürfnissen zu gestalten.

(Petra Beck)

Ernsthaftes Thema bei Kaffee und Kuchen

Gera, 9. Februar 2011. Großen Zuspruch fand am Mittwochnachmittag die VAMV-Stammtischrunde FFZ Gera in SOS Trägerschaft. Diesmal lockte nicht nur der frisch gebackene Kuchen, der mittwochs im offenen Café von Gastgeberin Christine Schumacher auch serviert wird. Gesprächsgast war Lars Naundorf, Inhaber der Geraer Vermittlungsagentur Die Arbeitsbeschaffer. Die anregende Diskussion, die sich Landesvorsitzende Viola Schirneck in ihrer Begrüßung für diese Nachmittagsrunde wünschte, gab es dann auch. Hatte doch ein Zeitungsbeitrag, im Vorfeld für Aufregung gesorgt, in dem Lars Naundorf über das Scheitern seiner Job-Initiative berichtet. Einhundert arbeitslose Alleinerziehende sollten binnen eines Vierteljahres in eine existenzsichernde und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Doch das Ziel wurde verfehlt, da sich kaum Eltern für sein Angebot interessiert hätten.

Zur Gesprächsrunde kam er in Begleitung von Ulrike Speer, die eine der alleinerziehenden Bewerberinnen war. Ihre zuverlässige und hartnäckige Mitarbeit an den Bewerbungsunterlagen verschafften ihr ein Jobangebot genau in der Vermittlungsagentur. Obwohl sie zuvor in ganz anderen Bereichen (vor allem geringfügig) tätig war, traute sie sich den Neuanfang zu. Wie aus den euphorischen Berichten beider zu entnehmen war, hat es bisher keine Seite bereut. Die alleinerziehende Mutter kann flexibel mit ihrer Arbeitszeit umgehen, was für sie wichtig ist, um Arzt- und Schultermine der Kinder wahrnehmen zu können. Und der Arbeitgeber freute sich, als Frau Speer einige Arbeitsaufgaben von zu Hause aus erledigte, als sie die kranken Kinder betreuen musste. Da verwundert es nicht, dass die glückliche Neueinsteigerin die Ansprechperson insbesondere für alleinerziehend Arbeitssuchende ist. Vielen fehlt schon lange die Zuversicht, dass sie doch einen Arbeitsplatz finden, der Familienzeiten berücksichtigt. Zunehmend seien sich Arbeitgeber dieser Verantwortung durchaus bewusst. Doch manchem müssten auch die konkreten Vorteile deutlich gemacht werden. Wer mit seiner Zeit haushalten muss, um vieles unter einen Hut zu bringen, arbeitet in der Regel effektiver. Und auch die Motivation, den Kindern ein gutes Vorbild zu sein und manchen Wunsch erfüllen zu können, begründe Zuverlässigkeit.

Doch den ersten Schritt müsse jeder selbst tun – das war Konsens in der Runde. Wer schon „weiß“, dass es überhaupt keinen Sinn hat, sich für einen Arbeitsplatz bewerben zu wollen, hat schon verloren. Für alles gibt es einen Ausweg. Ob die fehlende Qualifizierung oder die mangelnde Arbeitserfahrung – es gibt immer positive Eigenschaften, die man bei einer Bewerbung in die Waagschale werfen kann. Unterstützung bietet dabei auch das Projekt „CORA – Netzwerk Thüringer Frauenzentren zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Simone Akelbein und Michael Stark sind die Projektleitung des Geraer Angebots WEG – Wagen-Entwickeln-Gestalten, das seinen Sitz am Kornmarkt in Gera hat. Ziel ist es, insbesondere für Frauen Beschäftigungschancen erkennen helfen, Frauen und Familien beraten und begleiten, ihnen das nötige Rüstzeug gebe, um einen bessere Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Solcherart gerüstet, ist der Weg zur ersten Bewerbung dann einfach.

Solcherart ermutigt kamen dann nach Abschluss des öffentlichen Teils der Veranstaltung noch viele Teilnehmerinnen ins Gespräch mit den Gesprächspartner des Nachmittags. So manche Frage wurde dabei noch geklärt und Termine vereinbart.

Übrigens gibt es in der VAMV-Geschäftsstelle eine lesenswerte Broschüre des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen Gesucht – gefunden. Hierin stellen sich Alleinerziehende und ihre Arbeitsplätze vor, um andere Unternehmer zu ermutigen, alleinerziehend als Ausschlusskriterium bei Bewerbungen abzuschaffen.